KATHARINA ROTH

Ladakh / Nordindien
1997 reiste ich zum ersten Mal ins Land der hohen Pässe. Auf dem fünftägigen Trekking, das über den 5'200 m hohen Singe La Pass führte, besuchte ich die Gegend der Singe La Region TSA .

Bei diesem ersten Besuch beeindruckten mich nicht nur die Bergketten des Transhimalaya, mit ihrem einzigartigen Wechselspiel von Licht und Schatten sondern auch die grosse Armut der Bevölkerung. Mangelernährung, fehlende Impfungen und die vielen Totgeburten der Frauen haben mich nicht mehr losgelassen. Dieser Aufenthalt veränderte mein Leben und ich habe die Region immer wieder besucht.

 Gesundheitsförderung
Damals war ich als Krankenschwester im Inselspital Bern tätig. Nach meinem ersten Besuch in Ladakh, liess ich mich im Lindenhof Bern in psychosozialer Gesundheitsförderung ausbilden. Von da an gab ich mein Wissen im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention insbesondere an die Frauen in den Dörfern weiter. Hygienemassnahmen und Ernährung waren wichtige und zielführende Themen, die in wiederkehrenden Kampagnen über die letzten 10 Jahre unterrichtet wurden.

Im 2004 gründete ich eine Privat-Spitex, um meine Aufenthalte in Ladakh im Sommer besser planen zu können.

Projekte / Nachhaltigkeit
Amchis 2000 – 2010
Amchis – Naturärzte, die mit tibetischer Medizin arbeiten und seit Generationen überliefertes Wissen vom Heilen anwenden.

Westliche Medizin gab es im abgelegenen Seitental der TSA damals nicht. Die Amchis baten um Unterstützung. Viele Jahre wurden sie von meinen Töchtern, Freunden und mir finanziell unterstützt. Im Sommer stieg ich über Vier- und Fünftausender in ihre Dörfer, um mich über den Fortschritt ihrer Arbeitsbedingungen, die sich durch unsere Unterstützung langsam verbesserten, zu orientieren.  

In der Region gab es zu Beginn des Projektes 13 Amchis. Allerdings konnten sie zu dieser Zeit ihren Beruf kaum noch ausüben, da es an Allem fehlte: Tibetische Schriften für Rezepturen, Rohmaterial zur Herstellung der traditionellen Medizin, Mörser und Schalen, Akkupunkturnadeln. Aber auch Schuhe und Jacken, um im Winter rauszugehen und Kranke zu besuchen wurden benötigt, wie auch Lebensmittel. Die Bevölkerung hatte kaum genug für sich selber und konnte die Amchis nicht mit Nahrungsmitteln bezahlen konnten, wie das ansonsten Tradition ist. Mit der Zeit konnten wir auch Weiterbildungen für die Amchis in tibetischen Kliniken in Südindien finanzieren, so dass sie nun selbständig arbeiten und ihr Wissen weitergeben können. Einige bildeten sich zusätzlich in Leh, dem Hauptort von Ladakh, weiter und sind heute von der Regierung angestellt.

Durch verbesserte Diagnosestellung der Amchis lernten diese auch, Patienten nach Leh zu referieren für Operationen oder Behandlungen mit westlicher Medizin.

Gesundheitskampagnen
Noch vor 10 Jahren gab es in Ladakh kaum medizinische Versorgung. Im Sommer kamen ein bis zwei Spezialärzte aus Dehli ins Spital Leh für Konsultationen. Vor allem die Frauen arbeiten hart auf den Feldern, kümmern sich um Familie und die Tiere. Sie haben kaum Zeit und oft auch kein Geld, um nach Leh zu gehen. Zusammen mit den Amchis und lokalen Ärzten aus Leh konnten wir mehrmals all die Dörfer der TSA besuchen. Z.B. haben wir mit einem lokalen Augenarzt 451 Menschen untersucht, gratis Medizin und Sonnenbrillen abgegeben. Viele Brillen mit Korrekturen in Delhi bestellt, vor allem für Kinder und mehrere Augenoperationen bezahlt.

Im 2017 konnten wir durch eine grosszügige Spende in den abgelegenen Dörfern 400 Menschen untersuchen und an 162 von ihnen Medizin abgegeben und nötige Transporte finanzieren.

Finanzierung von Ausbildungen
Damals gab es in den Dörfern der TSA keine Schule. Ich hatte damals SponsorInnen gesucht. 20 Jahre lang haben wir Kindern aus besonders armen Familien Schule/Studium ermöglicht.

Zukunft
Wertvolle Freundschaften und das Vertrauen der Menschen haben mich bewogen, im Jahr 2015 den Verein "Ladakhpartners" zu gründen. Lama Tsewang Jorgyas, Sonam Dorje (Politiker) und Lobzang Tsultim (Student) sind in der TSA geboren und übernahmen als Vorstandsmitglieder die Verantwortung für die Projekte.

Zu meiner grossen Freude wurde am 5. Januar 2020 in Chandigarh/Nordindien der Partner Verein Singelapartners gegründet.